Hard Rock(enhausen) am Donnersberg

Auch wenn es schon eine Weile her ist, kommt hier noch ein Bericht zu einer denkwürdigen Tour.  Sätze wie “Mann, Mann, Mann, das war ein Ding!”, oder “Was für ein Knochenbrecher!” begleiteten die Rückfahrt aus Rockenhausen. Hinter blitzdings und mir lagen in der Tat 302 der härtesten Kilometer unseres Radsportlebens. Alle hoch gesteckten Erwartungen waren übertroffen worden. Doch von vorne…

Freitag abend starteten wir bei feinstem Pfingstwetter und übelsten Verkehrsverhältnissen (Vollsperrungen rund um Köln) in Richtung Pfalz. Der Termin stand seit Monaten im Kalender und ein Blick auf die Eckdaten der Ausschreibung ließ schon vermuten, dass das keine Kaffeefahrt werden würde. Irgendwie schafften wir es, uns an allen Staus vorbei in das beschauliche Rockenhausen zu zu begeben, wo wir noch 3 Mitfahrer aus dem Sauerland trafen. Extra für uns hatte man kleinere Feierlichkeiten inklusive Trachtenumzug organisiert und die Umkleide der Turnhalle als Nachtquartier zur Verfügung gestellt.

Nach einer ordentlichen Pizza krochen wir in die Schlafsäcke. Bei mir wollte sich jedoch keine echte Klassenfahrtromantik einstellen, da einer der Kollegen in der Nacht einen ganzen Wald abholzen musste, Oropax verschaffte wenigstens etwas Linderung. Wenigstens dauerte die Tortur nicht allzu lang, denn der Wecker stand ja auf 4:30 Uhr. Gähn.

Nach runtergewürgtem Frühstück ging es um 5:37 Uhr auf die Strecke, nachdem jemand draußen das Licht angeknipst hatte. Trotz Temperaturen von bis zu 3° in den schattigen Tälern wurde einem in den unmittelbar beginnenden Anstiegen schnell wieder warm. Und abgesehen davon muss man sagen: Es gibt wohl keine bessere Zeit zum Radfahren als frühmorgens in der klaren Luft bei Sonnenaufgang zwischen duftenden Rapsfeldern und Wiesen. Im ersten längeren Anstieg holten wir die noch früher gestarteten Fahrer ein, doch an der relativ frühen K1 fuhren dann einige Fahrer schnell weiter, während wir noch auf den Rest der Truppe warteten. Im Verlauf ging es die ganze Zeit immer wieder 50 - 100 HM hoch und wieder runter. Für jeden Anstieg wurden wir mit fantastischen Fernblicken belohnt und so verging das erste Drittel wie im Flug, an dessen Ende mit ca. 630 m die höchste Erhebung des Tages stand. Den größten Teil der Strecke fuhren wir mit erfahrenen Langstrecklern und Randonneuren zusammen, die solche Distanzen mit unglaublicher Gelassenheit angehen. Aber ich für meinen Teil muss auch sagen, dass es mich irgendwann nervt, wenn ich nicht mal ein wenig Gas geben kann. Kräfte einteilen ist ja schön und gut und richtig, aber deswegen “gaaaaanz ruhig” in jeden Berg rein zu fahren, ist nicht mein Ding.

So kam es, dass wir uns nach K3 zu Dritt (blitzdings, Nikolaus und ich) auf den Weg machten. Gleichmäßig in den langen Steigungen, flott in den Abfahrten und so kräfteschonend wie möglich in den kurzen knackigen Hügeln. Doch gerade letztere ziehen einem Stück für Stück den Saft aus den Beinen. Das Profil unterscheidet sich deutlich von Eifel und Bergischem Land, es gibt so gut wie keine Gegensteigungen, die man einfach mal auf dem großen Blatt wegdrücken kann. Zweistellige Steigungsprozente zwingen häufig zum runterschalten, was das Ganze sehr unrythmisch und kräftezehrend macht. Temperaturen bis knapp an die 30° und ein auffrischender Ostwind machten die Tortour perfekt.

An K4 bei KM 140 biegt man von der Marathonstrecke (239KM) auf die 60 KM lange Schleife, die dem Extrem-Marathon seinen extremen Charme verleiht. Sie verläuft bei Mastershausen kurzzeitig wie der Marathon in Ochtendung und enthält auf dem Weg von Kastellaun nach Cochem an der Mosel 4 längere Anstiege, die es wirklich in sich haben. Insbesondere der Stich von der Mosel nach Treis-Karden quält einen kontinuierlich mit Prozenten zwischen 12 und 15. Leider bekam blitzdings genau dieses Stück nicht besonders gut und so schickte er mich mit Nikolaus an K6 alleine auf die letzten 100 KM. Kein Vergnügen auf einer Runde im Uhrzeigersinn bei windstärke 4-5 zu zweit zu fahren, aber wir ergänzten uns sehr gut und brachten die Runde bis auf eine Durststrecke zwischen K7 und K8, die wir im wahrsten Sinne des Wortes mit dem letzten Tropfen erreichten, hinter uns. Von da konnte es eigentlich nur noch bergab gehen, da wir immer noch über Ausgangshöhe waren und die versprochenen 4400 Höhenmeter bereits errreicht hatten. doch weit gefehlt, denn es folgte nach jeder Kurve noch ein Stich und noch ne Welle. Schließlich hatte ich 302 KM und rund 4800 HM bei einem 28er Schnitt auf der Uhr. Angesichts der Rahmenbedingungen und dem zeitweiligen Bummeltempo konnten wir damit sehr zufrieden sein.

Ein Mitfahrer, der die kürzere Marathonstrecke gewählt hatte, erwartete uns bereits im Ziel, blitzdings hatte sich nach einer kurzen Pause gut erholt und kam eine Weile später an, der letzte Kollege trudelte zwei Stunden nach uns ebenfalls stehend k.o. aber gesund und verdientermaßen stolz ein.

Abschließend noch ein Wort zur Organisation: Beschilderung und Streckenführung sind über jeden Zweifel erhaben: Überwiegend verkehrsarm, nur 2 Baustellenbereiche und sage und schreibe 3 Ampeln - die im übrigen alle grün waren ;-) - auf 302 KM sprechen eine deutliche Sprache. Die Helfer der RSF Donnersberg waren sehr freundlich, die Verpflegung war ausreichend und ausgewogen, nur einmal mangelte es etwas an Getränken. Man kann nur hoffen, dass die Veranstaltung trotz real existierendem Helfermangel auch die nächsten Jahre weiter existieren wird.

Die Fahrt nach Hause verlief ohne größere Probleme, begleitet von den bereits oben zitierten Sprüchen und einem geklauten Fazit aus dem Tourenberichts eines alten Langstreckenhasens: “Die 303 km von Rockenhausen (dieses Jahr waren es 296 km mit 4600 hm) kann man nicht beschreiben, man muß sie einfach fahren.” Da ist was dran.

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