DSD gewinnt Lahntal-RTF !

Koblenz/Köln 12.05.2008 - Kölner Duo gewinnt souverän die Lahntal RTF

Ein wenig kamen wir uns schon vor, wie im berühmten Lied von den 10 kleinen Negerlein – gibt es da eigentlich eine politisch korrekte Bezeichnung ? Ursprünglich sollte das DSD-Team 6 Köpfe zählen, doch aus verschiedenen Gründen reihte sich Absage an Absage.

So machten meine Kapitänin Antje und ich uns am Morgen des 10.05.2008 allein auf den Weg, uns der ultimativen Herausforderung für den Radtouristen zu stellen – dem LAHNTAL-RADWEG !!!

„Von der Lahnquelle bei Netphen bis zur Mündung in den Rhein bei Lahnstein können sich Radwandernde an vielfältigen Landschaftsbildern erfreuen. Anfänglich zeigen sich bunte Wiesen, bald grüne Hügel, die schließlich von steilen, bewaldeten Hängen abgelöst werden. Von etlichen dieser Erhebungen kann der Blick weit über das Lahntal schweifen. Zu den landschaftlichen Höhepunkten gehören auf jeden Fall die Lahnwindungen zwischen Weilburg und Runkel sowie zwischen Diez und Lahnstein. Folgen Sie den zahlreichen Routen durch eine harmonisch gewachsene Landschaft mit abwechslungsreichen Natureindrücken, kulturhistorisch bedeutsamen Sehenswürdigkeiten und liebenswerten Städten“

So verhieß es die Werbung und diese versprach nicht zu viel.

Per Zug führte der Weg uns nach Siegen. Von dort nahmen wir die Anfahrt zum offiziellen Start des Radwegs, der Lahnquelle in Angriff. Antje auf Ihrem roten Canyon-Geschoss und ich auf meinem mit Packtaschen verzierten Cube Trecking-Esel. Wir schlossen uns einem Marburger auf Heimaturlaub an, der uns bequem zu der Quelle führte. Der Weg dorthin hatte es allerdings in sich, denn auf den gut 26 km waren 400 Höhenmeter zu absolvieren und der Löwenanteil davon auf einem Steilstück von 3 km Länge, dass auch Tilff-Bastogne-Tilff gut zu Gesicht gestanden hätte. Bis zu 19 % steil türmte sich die „Wand von Walpersdorf“ vor uns auf. Klare Sache für DSD, Doppelsieg an der Bergwertung. Unserem Sherpa blieb da nur keuchend das Nachsehen.

Die folgenden 20 km bis Bad Laasphe waren geprägt von einigem Auf und Ab, was sowohl das Profil der Strecke, als auch deren Beschaffenheit betraf. Viele kleine Hügel waren zu überwinden und Schotterstrecken wechselten sich mit Asphalt ab. Zum Glück machten Antjes 25 mm Pneus das alles problemlos mit. Keine Panne und noch nicht einmal ein Schnitt in der Lauffläche – GP 4000, Made in Germany :-D

Wir nutzten die hübsche Altstadt von Bad Laasphe zu einer Rast mit lecker Waffeln und Baguette, hatten wir uns echt verdient. Der Marburger zog seines Weges und von nun an konnten wir ungebremst unser Tempo gehen.

Aus meiner Sicht begann der touristiktaugliche Abschnitt erst ab Bad Laasphe. War die Beschilderung bis dahin teils nur mühsam zu finden, so gestaltete sich dies nun nahezu problemlos und der grobe Schotter zählte der Vergangenheit an. Bis Marburg ging die Fahrt mit teils kräftigem Gegenwind und wenig anderen Radlern flott voran. In der dortigen Oberstadt ließen wir es uns mit Essen und Eis gut gehen. Der Markplatz bot einen schönen Überblick über die Facetten der Einwohner, die vom alternativen Ökostudenten bis zum alten Burschenschaftsherren mit Schmiss in vollem Ornat reichten. Zudem war es das erste Mal, dass ich per Aufzug in eine Altstadt emporgefahren bin.

Im Anschluss hatten wir noch 10 km bis zu unserem Hotel vor uns, bevor wir auf der dortigen Terrasse die erste Etappe über 105 km Revue passieren ließen.

War der erste Tag noch von Fahrten über weite Felder mit Blick auf die Lahn geprägt, so rückten wir der Lahn nach einem tollen Frühstück ab Sonntag wesentlich näher. Nahezu steigungsfrei passierten wir Gießen, die Goethestadt Wetzlar, Weilburg und rasteten in einem Biergarten, in dem sich zahlreiche Radfahrer und Kanuten einfanden. „Pommes nackelisch“ war die große Spezialität und wir wurden uns eindrucksvoll bewusst, dass die deutsche Sprache von einer großen Artenvielfalt zeugt. Der nächste Abschnitt gehörte zu den schönsten der Tour, denn wir fuhren direkt entlang der Lahn weitab vom motorisierten Verkehr. Einzig der teils schmale Weg stellte uns beim Überholen vor die ein oder andere Aufgabe. Auf schwankende Senioren und Kinder sowie laaangsame Radler im Allgemeinen hatten wir uns jedoch mittlerweile gut eingestellt. Der linke Daumen lag stets einsatzbereit an der Klingel und die Zeichenkommunikation untereinander klappte bestens. Geprägt war die Lahn ab diesem zweiten Tag von den zahlreichen Kanus, die auf dem Fluss mehr oder weniger schwungvoll in Gang gehalten wurden. Ein schönes Schauspiel, wenn ein ganzes Rudel sich aus einer der vielen Schleusen ergießt.

Die schöne Landschaft riss bis Limburg nicht ab und es ist einfach herrlich in ein Stadtzentrum einzufahren, ohne sich über öde Hauptstraßen zu quälen. Da siegt der Charme der Provinz über die Großstadt. In Limburgs hübscher Altstadt bewunderten wir bei einem großen Eis die schiefen Altbauten und den schmucken Dom, bevor wir ins nahegelegene Hotel fuhren. Frisch geduscht und gestriegelt kehrten wir wiederum in die Altstadt ein, nahmen Spargel auf und eine zweite Runde Eis. Einmal, wenn auch in 2 Etappen, wollte ich es meinem großen Vorbild Christoph gleichtun und es auf 6 Bällchen bringen – hmmmmm. Weitere 105 km in den Beinen haben das durchaus gerechtfertigt.

Frisch ausgeruht wurden am Montag ein letztes Mal die Räder gesattelt und die Hintern gefettet. Hatten wir gedacht, die abschließenden 70 km nach Koblenz würden zur Spazierfahrt, so belehrte uns der Verlauf der Strecke eines Besseren. Nicht weit nach dem sehr schönen Städtchen Diez, kurz hinter Geilnau, ist der Lahntal-Radweg bis Laurenburg unterbrochen. Entweder man weicht in Geilnau auf die Landstraße aus oder man fährt bis zum letzten Stück des Radwegs und klettert dann über einen schottrigen Feldweg etwa 200 Höhenmeter zum über Laurenburg gelegenen Ort Scheidt. Keine Frage, was wir gemacht haben. Antje drängte geradezu darauf, weitere Punkte für das Bergtrikot zu sammeln. Die meisten Radler wählen bereits vorher die Bahn oder das Radshuttle (Bootstransport für 27 EUR pro Nase), um diesen Abschnitt zu umgehen. Einige Mutige oder Unwissende bekamen wir an der Steigung trotzdem vor den Lenker. Selbstredend, dass die Kollegen nur noch unser Hinterrad zu sehen bekamen. Zur Belohnung gab es eine tolle Aussicht und eine Abfahrt über schönste Serpentinen. Den Ort habe ich mir schon für den BSG-Ausflug im Juli gemerkt. Das wird ein Hochgenuss, Manni den Anstieg auf dem großen Blatt hochfliegen zu sehen.

Nach dieser Passage ging es flott weiter entlang der Lahn. Ein steiler Stich hoch zum Kloster Arnstein (toller Blick auf das Lahntal) war zu überwinden, bevor es weiter über Nassau und schließlich nach Bad Ems ging. Hier soll im Juli das Lager der BSG aufgeschlagen werden. Also wurden, nach vorheriger Spaghettieis-Aufnahme, die einschlägigen Lokale des Ortes inspiziert. Das werden wilde Nächte ! So gestärkt und motiviert setzen wir die Reise fort. Die finale Etappe nach Koblenz kann man sich allerdings getrost schenken. Die Strecke ist zwar weiterhin sehenswert, jedoch haben sich sämtliche Radbesitzer des Umlandes dieses Stück als Ausflugsziel erkoren – die Klingel glühte ! Am Ende noch einige Kilometer entlang von Väterchen Rhein und Schwups, da saßen wir im Zug nach Köln und fragten uns wo die Zeit geblieben ist. Die Antwort war ganz leicht, in einem tollen Radlerausflug bei besten Bedingungen. Härrlisch. Den Sieg in der Touristikerklasse konnte Antje niemand streitig machen und das nur mit einem Helfer (keuch) ! Außer ein paar vereinzelten Rennradlern hat uns die ganzen rund 280 km niemand überholt.

Fazit:

Der Lahntal-Radweg ab Bad Laasphe ist zu 90 % asphaltiert und die restlichen 10 % gut fahrbar. Für Rennradfahrer würde ich die Strecke jedoch nur bedingt empfehlen. Weitestgehend autofreie Wege machen die Fahrt zwar zu einer entspannten Angelegenheit, wären da nicht die anderen Radler…wer schnell fahren will, sollte diese Radwege besser meiden. Dies war jedoch nicht unser vorrangiges Ziel. Gut, man kann nicht aus seiner Haut und meiner Schätzung nach, waren 70 % der Gesamtstrecke nur sehr wenig befahren, bzw. so breit angelegt, dass Überholen problemlos möglich war.

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